Sinn verzweifelt gesucht

Vor langer Zeit war Kunst die letzte Bastion. Ein Bollwerk gegen Kapitalismus und Kommerz. Mehr Nische als Ort, in der man sich eine Zeit lang einnisten konnte. Ideen entwickeln, bis schließlich nur noch die Idee übrig war.

Dann kam Andy und hat alles vermasselt. Allein durch den Spruch mit den “15-Minuten”, den seitdem jeder zitiert, der sich als Kenner ausgeben will. Andy war ein Großer, aber er wusste nicht, was er anrichten würde. Andy war Künstler, und trotzdem wurden seine Worte befolgt, wie die eines Propheten.

Cheeeeese.

Cheeeeese.

Die Bewegung erreicht nun ihrem Zenit: bravo.tv ruft zum Casting einer neuen Reality TV Show auf, die es sich zur Aufgabe gemacht hat – ja was eigentlich? Den “besten Künstler” zu finden? Dabei machen sie keinen Hehl aus ihrer Definition von “best”: “How do you go from struggling, emerging or even semi-established artist to selling a complete show for $198 million?” Da fällt mir auf Anhieb ein toller Name für die noch als “Untitled Art Project” benannte Sendung ein: No soul for sale.

So der Titel einer Ausstellung in New York, die No-Profit-Organisationen eine Plattform bietet. Mit von der Partie war hier übrigens White Columns. Die wir eigentlich mögen, würde sich hier nicht der Kreis schließen. Denn White Columns richten das New York Casting für den Art-Run-Down-Way von bravo.tv aus! Die New Yorker Kunstszene wird zusehends rauer unter den wirtschaftlichen Bedingungen, die Galerien sterben wie die Fliegen, aber ist das jetzt die Antwort? Das ist kein Sale, das ist Reste-Rampe. Jeder, der in seinem Leben schon einmal eine Kunsthochschule von innen gesehen hat, weiß, dass Kunst so nicht funktioniert.

Aber woher soll Sarah Jessica Parker, deren Produktionsfirma das Format ausarbeitet das ahnen? Aussagen ihrer Mitarbeiter zufolge ist Kunst doch,  “something we consume every day… whether it’s your favorite coffee mug, an ad in a magazine or a mural you drive by on the way to work.” Dass Konsum und ästhetische Erfahrung zweierlei Dinge sind, die man nicht unbedingt zusammen bringen muss, sollte wir den kreativen Köpfen besser nicht erklären.

Die inneren Widersprüche des Projekts sind enorm. Es wird wenig mit Kunst zu tun haben und noch weniger mit Realität. Gucken werden wir es natürlich trotzdem oder deshalb.

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