Fashion-Exkurs: Einmal normal und zurück

Die US-Glamour hat etwas Unglaubliches gewagt: Ein Foto in der August-Printausgabe zeigt das Model Lizzi Miller entbloßt in die Kamera lächeln. Nichts Aufregendes, würde Lizzi, wie ihr Kolleginnen, Size Zero tragen. Was das Model den Betrachtern statt dessen zeigt, ist eine kleine Falte, die sich über ihren Bauch legt. Auch sonst sind an ihr keine herausstrechenden Knochen zu sehen. Glamour kommentiert das Bild wie folgt: “The picture wasn’t of a celebrity. It wasn’t of a supermodel. It was of a woman sitting in her underwear with a smile on her face and a belly that looks…wait for it…normal.”

Lizzi Miller in der US Glamour

Lizzi Miller in der US Glamour

Ein Modemagazin für normale Frauen wagt es, eine von ihnen in ihrer tatsächlichen Erscheinung abzulichten. Lizzi wird gegen die Magermodels, die ansonsten das Blatt beherrschen, ins Rennen geschickt und siehe da: Die Leserinnen sind entzückt! Tausende frenetische Zuschriften gehen bei Glamour ein, Editor-in-Chief Cindi Leive sieht sich zu einer Stellungnahme und dem Bekunden ihrer Happiness über die Akzeptanz des aus dem Rahmen fallenden Fotos veranlasst. Dieser Beitrag wiederum wird fast 1000 Mal kommentiert.

Was das Magazin mit der Aktion erreicht hat, ist für einen kurzen Augenblick die Norm aufzubrechen, die ästhetischen Erwartungshaltungen in die Irre zu führen und dafür unverhoffterweise die Lorbeeren zu ernten. Leider scheint dieser Ansatz nur ein gelungenes Experiement gewesen zu sein, das besagt, Ausnahmen bestätigen die Regel. Klick man sich in den Fashion-Bereich heißt es dort wie gewohnt: How to Dress 10 Pounds Thinner.

Eiscreme mit sozialem Flavor

Das geheime Potential von Eis hatten Ben & Jerry’s schon früh entdeckt. Nicht ohne Grund bietet die Firma Geschmacksrichtungen mit vielversprechenden Namen wie “Chocolate Therapy” an. Das soziale Engagement beschränkt sich jedoch nicht auf kurze Gaumenfreuden. Ben & Jerry’s produzieren ihre Eisvariationen klimaneutral und bieten ausgesuchte Sorten mit FairTrade-Siegel an.

Aus Chubby Hubby wird Hubby Hubby

Aus Chubby Hubby wird Hubby Hubby

Aus aktuellem Anlass setzte das Unternehmen ein weiteres soziales Statement. Die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe im amerikanischen Bundesstaat Vermont zelebrieren die Eiscreme-Hersteller mit einer Namensänderung: Aus “Chubby Hubby” (pummeliger Gatte) wird “Hubby Hubby”. Neben dem symbolträchtigen Zeichen unterstützt B&J’s die Organisation Freedom to Marry, die sich für die Rechte und Gleichstellung von schwulen und lesbischen Paaren einsetzt.

Mitte-Mensch

Retro-cool in Mitte: The Durags über den Klischee – Berlin-Hipster

Magnificent City

Mannahatta

Mannahatta

Zwischen Geschichte, Realität und Utopie. Eine Ausstellung im Museum of the City of New York zeigt die Stadt bevor sie zur City wurde. Erstaunliche Erkenntnisse über die Artenvielfalt und vegetative Beschaffenheit der Insel, von ihren Ureinwohneren auf den Namen Mannahatta getauft, kommen zutage. Das gewonnene Wissen über das ursprüngliche Wesen des Landsteifens zwischen Hudson und East-River soll für eine zukünftige Stadtplanung genutzt werden. Dass es durchaus Bestrebungen gibt, das Grüne in die Straßenschluchten zurückzuholen, davon zeugen bereits Projekte wie die wiedereröffnete, begrünte High Line, die sich im östlichen Teil der Stadt durch die Betonberge schlängelt.

Coco und Madeleine – Die Befreiung

Madeleine Vionnet in Paris

Madeleine Vionnet in Paris

Coco Chanel – momentan durch die Verfilmung ihres Lebens mit Audrey Tatou wieder in aller Munde – bekommt Konkurrenz: Neben der berühmten Modeschöpferin wird nun eine ihrer Konkurrentinnen geehrt. Im Pariser Musée des arts décorative ist noch bis zum 31. Januar die Ausstellung Madeleine Vionnet – Puriste de la mode zu sehen.

Sowohl Coco als auch Madeleine verstanden sich als die Erlöserinnen der Frau vom Korsett. Beide schafften sie durch die Befreiung der Form zeitlose Eleganz. Vionnet beschrängte sich bei ihren Entwürfen auf einfache, geometrische Grundformen, die sie miteinander variierte. Es entstanden fließende Roben, die den Körper voller Anmut umspielen.

Öko-Mode goes High Fashion

…und damit ist nicht nur die Absatzhöhe gemeint! Das neue Sergio Rossi-Modell namens “EcoPump” vereint vielmehr neueste Technik mit Eleganz, die die Umwelt schont. Gemeinsam mit Forschern des Fraunhofer-Instituts wurde das Schuhwerk “aus nachwachsenden Rohstoffen” entwickelt. Aus einem Abfallprodukt der Papierherstellung wird dabei ein Bio-Kunststoff gewonnen, der zum Fertigen des Absatzes verwendet wurde.

Öko-Stiletto von Sergio Rossi

Öko-Stiletto von Sergio Rossi

Der Absatz des Modells ist also technisch gesehen öko – doch was ist mit dem Rest des edlen Stilettos? Auch hier hat man sich um Nachhaltigheit in der Verwendung der Materialien bemüht, das Vorhaben jedoch nicht mit letzter Konsequenz verfolgt: Nach wie vor ist das Obermaterial aus Leder gefertig. Ein Widerspruch zu dem ansonsten nachahmenswerten Kurs der Mode-Branche in Richtung green fashion.

Wir sind gekommen, um zu bleiben / subvision und das Gängeviertel

Hamburg und Kunst – das ist eine komplexe Verbindung, deren Komponenten auch nach fast einem Jahr Einwohnerschaft nicht eindeutig bestimmt werden können. Mal sieht es so aus, als habe die Stadt Kunst schlicht nicht nötig. Nicht ohne Grund heißt eine von Artblock Hamburg initiierte Diskussion am 8. September “Braucht Hamburg Kunst?”. Dieser Tage jedoch scheint die Hansestadt wie verwandelt: Ein Kunstereignis jagt das nächste, zum ersten Mal ist abzuwägen, welche Eröffnung den Vorrang erhält.

Den Start machte am Mittwoch Abend subvision, ein Kunstfestival in der HafenCity. Die Schau trägt das Wörtchen “off” im Untertitel, an dem sich die Geister scheiden. Hanno Rauterbergs Artikel in der Zeit, der Subvision auf Subversion zurückführte, bestimmte nur den Ausgangspunkt der Verwirrung. Das Festival versucht von vornherein Unvereinbares zu verbinden: Der Standort im Herzen der HafenCity versprüht einen chaotischen Charme. Unüberschaubar ist das Gelände – eine Ansammlung aus Frachtcontainern, Liegestühlen und Pommes-Buden. Bei näherem Hinsehen werden die Unstimmigkeiten sichtbar: Die präsentierten Arbeiten der eingeladenen Künstler-Kollektive haben nicht die Durchschlagkraft, sich von ihrem Ausstellungsort, dem Metall-Container, zu emanzipieren. Das Prozesshafte der Arbeitsweisen steigert sich zur einzigen Aussage und so wird vielleicht die Stärke des Festivals in der Vermittlung der Inhalte in Gesprächen und und der Auseinandersetzung mit dem Besucher liegen. Doch wer findet den Weg auf die abgelegene Landzunge inmitten der kulissenhaften Future-Architektur? Am Eröffnungsabend herrschte reges Treiben auf dem Gelände, das jedoch eher an einen Abend in Westerland erinnerte, als an eine subkulturelle Veranstaltung. Mit High Heels im Bauschutt, den Mops unter dem Arm und auch das Catering stammte natürlich nicht von Schabi’s Fischimbiss, sondern von Fillet of Soul. Hamburgs selbst gemachte Klischees sind manchen Tags so groß, dass man sie selbst mit der größten Anstrengung nicht überwinden kann. Auch das kleine Wörtchen “off” leistet da keinen Beitrag, lässt die Brüche umso offensichtlicher werden: So sträuben sich Chto delat, eine der Künstlergruppen, vehement, in dieser Kategorie vereinnahmt zu werden.

Komm in die Gänge

Komm in die Gänge

Anders dagegen die Lage im Stadtinneren: Komm in die Gänge nennt sich eine Künstler-Initiative, die gegen die den Abriss des historischen Gängeviertels in der Innenstadt kämpft. Nicht nur St. Pauli sieht sich massiven städtebaulichen Offensiven ausgesetzt, auch das kleine Viertel am Valentinskamp soll protzigen Neubauten weichen. Ein Stück Hamburger Geschichte soll hier ausgelöscht und durch funktionale Büroarchitektur ersetzt werden. Das Ergebnis ist verglastes Raumvolumen, das im Zweifel, wie viele Neubauten am Platz, leer bleiben würde – ohne Nutzen für niemanden. Die beteiligten Künstler fordern den Erhalt der historischen Bausubstanz und eine Belebung des Viertels. Die Gebäude sollen Kreativen als Arbeitsraum dienen. Schon jetzt haben sie mit einer Hausbesetzung einen ersten Schritt erreicht. In den Untergeschossen der Häuser sind Ausstellungen zu sehen, ein Hinterhof dient als Versammlungs- und Informationsraum. Die gezeigten Arbeiten innerhalb der ehemaligen Wohnräume fügen sich symbiotisch in die Situation ein, ohne die eigene Wirkungskraft einzubüßen. Off ist hier nicht ein Beiwerk, das man zu- oder ablegen kann. Off, so wird schnell deutlich, ist eine natürliche Zustandsbeschreibung. Der Charme rührt nicht von einer Deplatziertheit her, sondern von der durchschlagenden Authentizität des Geschehens am Ort, das, so bleibt zu hoffen, den Abrissbirnen trotz kann.

Go see the Kids

Sonntag Abend war seit langem nicht für den Tatort reserviert. Vielmehr hieß es das Haus zu verlassen, um sich in den Bunker zu begeben. Es waren hohe Gäste in der Stadt, die zu einer Zeitreise einluden. Nach jahrelanger Stille und Abstinenz betraten “The Get Up Kids” erneut die Bühne, um zu sagen, was sie schon immer wussten.

Damals, hatten ihre Worte unschätzbares Gewicht: Ein Liedtext konnte einen Liebesbrief ersetzen. Noch heute versetzt mancher Song den Hörer in ebendiese Zeit, davor. Vor dem großen Unbekannten, das Erwachsen werden heißt. Man sah es den Herren an. Statt labberigen Band-T-Shirts tragen sie nun Hemden und Eheringe. Auch wir haben uns verändert, die Vans gegen richtige Schuhe getauscht.

The Get Up Kids

The Get Up Kids

Damals war die Band der stete Begleiter eines Lebensgefühls, das immer nur ein Nächstes von unschätzbarer Dringlichkeit kannte: Immer on the run towards the edge, um endlich über den Rand schauen zu können. Entweder wir sind des Rennens müde geworden, oder der Anblick hat uns verschreckt. Wir sind gemächlicher geworden, alle zusammen. Die Herren haben Fett angesetzt, das Laufen fällt nicht mehr so leicht. Dafür haben wir erkannt, dass das Hier und Jetzt auch Qualitäten hat. “We move on”, “but the memories remain.” Wir werden sie immer im Herzen und auf der Haut tragen und freuen uns auf einen neuen Lebensabschnitt-Soundtrack mit den Kids. Heute spielen sie noch einmal in Berlin, es folgen Erlangen und München.

Club der gebrochenen Herzen

BHC Summer Party! 22. August, ab 22. Uhr im Admiralspalast Berlin

BHC Summer Party! 22. August, ab 22. Uhr im Admiralspalast Berlin

Live: 1000 Robota , Young Fathers
DJs: Fetisch Terranova, Westfalia Bambaataa, Pats Party…

Dresscode: Lieblingsoutfit

Hello Kitty zum Frühstück

Pinkes Müsli

Pinkes Müsli

Abhilfe gegen den grauen Morgenblues: Vorbei sind die Zeiten des schnöden Haferbreis und bräunlichen Bircher-Müslis. Mit den “Hello Kitty Loops” bringt Kellogg’s seit diesem Monat Mädchenherzen schon beim Frühstück zum Schlagen. Die Cerealie ist, wie es sich gehört, pink und soll angeblich auch ohne den Zusatz von künstlichen Aromen nach Früchten schmecken – welche von denen waren nochmal quietschrosa?

Der Geschmack scheint hier Nebensache. Es geht allein um die Präsenz der kleinen Katze ohne Mund, die ihr Merchandise-Imperium somit auf den heimischen Frühstückstisch ausbreitet. Hello Kitty ist einfach die mächtigste Katze der Welt!

Sollte jemand schon Erfahrungen mit der pinken Loops gemacht haben, der möge sich bitte zu Wort melden. Testesser und Versuchskaninchen vor!